Posttraumatische Belastungsstörungen



Übersicht:
Symptomatik der posttraumatischen Belastungsstörung:
Das Traumagedächtnis:
Das wesentlichste Merkmal stellt das ungewollte Wiedererleben von Aspekten des Traumas dar.
Die posttraumatische Belastungsstörung ist um so ausgeprägter,
Die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:



Symptomatik der posttraumatischen Belastungsstörung: nach oben
Die menschliche Psyche hat die Aufgabe, uns vor seelischer Überforderung in und nach Extrembelastungen zu schützen.

Verschiedene Schutzmechanismen führen dazu, dass wir nicht nur die Situationen selber psychisch überleben, sondern dass wir auch danach weiter funktionieren können.
In vielen traumarisierenden Situationen muss unser Gehirn in sehr kurzer Zeit sehr viele unterschiedliche und stark angstbesetzte Eindrücke aufnehmen. Da unsere Verarbeitungskapazität begrenzt ist, kann vieles dabei nur aufgenommen, aber nicht verarbeitet, d.h. bewertet, sortiert und in die sonstigen Erfahrungsbereiche integriert werden. Zusätzlich ist die Bedeutung dieser Eindrücke, Bilder und Handlungen für uns viel zu schlimm, als dass wir sie im Moment des Geschehens begreifen dürften.



Das Traumagedächtnis: nach oben
Für diese Informationen steht deshalb ein "spezieller Speicher", das "Traumagedächtnis" zur Verfügung, das von unserem "Alltagsgedächtnis", sehr verschieden funktioniert. So können wir uns an Inhalte, die im "Traumagedächtnis" gespeichert sind, beispielsweise nicht gewollt erinnern, sondern bestimmte Auslöser (Gerüche, Bilder, Töne usw.), die denen während der Extrembelastung ähneln, rufen in uns die Eindrücke von damals wieder wach. Diese fühlen sich dann sehr gegenwärtig an, da unser Gehirn nichts davon weiß, dass die Gefahr bereits vorüber ist. Vertrauen und der Glaube an die eigene Kontrolle bzgl. der eigenen Person und der Welt sind beeinträchtigt. Außerdem werden alle Reize im "Traumagedächtnis" nicht als zusammenhängende Geschichte, sondern als Sammlung einzelner, unverbundener Sinneswahrnehmungen (Gesehenes, Gefühltes, Getanes, Gehörtes, Gerochenes) gespeichert.

Diese Art der Speicherung ist zunächst ein sehr sinnvoller Schutzmechanismus, kann aber nach einiger Zeit, wenn die Verarbeitung nicht nachgeholt wird, zu vielfältigen Beeinträchtigungen führen: Im Vollbild kann sich eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) entwickeln, die viele Lebensbereiche der Betroffenen verändern kann.

Bei der posttraumatischen Belastungsstörung handelt es sich um eine verzögerte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung.
Die Störung entwickelt sich charakteristischerweise nicht sofort nach dem traumatischen Erlebnis, wie dies bei einer akuten Belastungsreaktion oder einer Anpassungsstörung der Fall ist.



Das wesentlichste Merkmal stellt das ungewollte Wiedererleben von Aspekten des Traumas dar. nach oben
Das traumatische Ereignis wird beharrlich wiedererlebt.
Anhaltende Erinnerungen oder Wiedererleben der Belastung durch aufdringliche Nachhallerinnerungen (Flash-backs), lebendige Erinnerungen, sich wiederholende Träume oder durch innere Bedrängnis in Situationen, die der Belastung ähneln oder mit ihr in Zusammenhang stehen. Es treten dieselben sinnlichen Eindrücke z.B. bestimmte Bilder, Geräusche, Geschmacksempfindungen, Körperwahrnehmungen sowie gefühlsmäßigen und körperlichen Reaktionsweisen auf wie zum Zeitpunkt der traumatischen Erfahrung.

Die emotionale Befindlichkeit kann von Mensch zu Mensch sehr verschieden sein, ist jedoch gewöhnlich charakterisiert durch eine Mischung von panischer Angst, großer Traurigkeit, intensivem Ärger, emotionaler Taubheit und starken Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen und Schamgefühlen.

Das Trauma, das am häufigsten zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führt, ist bei Frauen und Männern die Vergewaltigung, und zwar bei 55,5% der Betroffenen.
Bei Frauen folgten weiter körperliche Misshandlung, Bedrohung mit der Waffe, sexuelle Belästigung, körperliche Attackierung und Vernachlässigung in der Kindheit, bei Männern insbesondere Kampferfahrung, körperliche Misshandlung, Vernachlässigung in der Kindheit, sexuelle Belästigung, Unfall und Schockerlebnis.



Die posttraumatische Belastungsstörung ist um so ausgeprägter, nach oben
je größer die eigene Gefährdung und Betroffenheit war,
je mehr Todesgefahr oder Verletzung direkt erlebt wurde,
je enger und intimer die Beziehung zum Täter war,
je länger das traumatische Geschehen andauerte.
Die Wahrscheinlichkeit der Entstehung und langen Dauer einer posttraumatischen Belastungsstörung wird erhöht durch das Vorhandensein ausgeprägter moralischer Konflikte, eine bereits vor dem Trauma gegebene Beeinträchtigung durch eine Depression oder Angststörung, sowie das Unverständnis der sozialen Umwelt.



Die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: nach oben
wiederholtes Erleben des Traumas (Intrusionen) in plötzlich sich aufdrängenden Erinnerungen (Flashbacks, d.h. Rückblenden), Tagträumen oder Alpträumen,
fortwährende Angst, das Ereignis könnte sich wiederholen,
Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die an das Trauma erinnern,
zwischenmenschliche Konflikte als Folge der Vermeidung von Situationen (Autofahrten, Reisen) oder Aktivitäten (sexuelle Kontakte), die an das Trauma erinnern,
Furcht vor und Vermeidung von Stichworten, die den Betroffenen an das ursprüngliche Trauma erinnern könnten,
gelegentlich akute und dramatische Ausbrüche von Angst, Panik oder Aggression, ausgelöst durch ein plötzliches Erinnern und intensives Wiedererleben des Traumas oder der ursprünglichen Reaktion darauf,
übermäßige Schreckhaftigkeit, Panikattacken, "existenzielle Angst", chronische Angstzustände, übermäßige Beschäftigung mit dem Tod,
gestörte Wahrnehmung des Täters: übermäßige Beschäftigung mit der Person des Täters (auch Rachegedanken), unrealistische Einschätzung des Täters als allmächtig, Idealisierung, paradoxe Dankbarkeit oder Mitleid mit dem Täter,
emotionale Abgestumpftheit und Instabilität: ständiges Gefühl von Betäubt sein, emotionaler Rückzug, allgemeine Lustlosigkeit als Schutzreaktion vor emotionaler Überforderung, aber auch impulsives Verhalten,
soziale Beziehungsstörung: Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit gegenüber der Umwelt, Entfremdung von den Angehörigen,
vegetative Übererregbarkeit mit verschiedenen körperlichen Symptomen (Herzrasen, Schweißausbrüche, Kreislauflabilität, Ohnmachtsanfälle, Zittern, Übelkeit, Kopfschmerzen, Hyperventilation, Appetitverlust, Essstörung usw.),
dissoziative Symptome (z.B. psychogene Amnesie, d.h. Vergessen der Erlebnisse),
ständige Überwachheit und häufige Schlaflosigkeit (Ein- und Durchschlafstörung),
Verlust der Selbstachtung, Selbstvorwürfe, Scham- und Schuldgefühle,
Resignation, Gefühl einer Zukunft ohne Erwartung und Hoffnung,
Verlust der bisherigen Wertvorstellungen,
depressive Stimmung, öfters auch Selbstmordgedanken und Selbstbeschädigung,
Missbrauch von Alkohol, Tranquilizern oder Drogen als Bewältigungsstrategie,
Entwicklung von Kontrollzwängen zur Angstbewältigung (Kontrolle von Türschlössern und Fenstern aus Angst vor Eindringlingen),
Entwicklung funktioneller Sexualstörungen bei Vergewaltigungsopfern,
Konzentrationsstörung und Leistungsbeeinträchtigung in Schule oder Beruf,
Beeinträchtigung der beruflichen Leistungsfähigkeit bis zur Berufsunfähigkeit.


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